Entwicklung in der Frühzeit
Das Wachstum war enorm: Im zehnten Jahr des Bestehens lernten bereits rund 250 Schülerinnen und Schüler aus vielen europäischen Ländern in Friedensau. Große Häuser waren gebaut worden, ein weitläufiger Campus war entstanden. Das Sanatorium zählte zu den renommiertesten Naturheilstätten in Mitteleuropa. Friedensauer Krankenschwestern leisteten ihren Dienst in Krankenhäusern und Missionsstationen. Hunderte junge Pastoren waren ausgebildet worden, Missionare wurden in verschiedene Länder ausgesandt, viele davon nach Ostafrika, vor allem in das Gebiet der heutigen Länder Tansania, Uganda und Burundi.
Zwischen den Weltkriegen
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden viele Pläne hinfällig und die Arbeit der Schule erfuhr einen Rückschlag. Die Missionsstationen gingen verloren, die jungen Männer wurden als Soldaten eingezogen, Friedensau wurde zum Militärlazarett, es gab Spannungen und Spaltungen in den adventistischen Gemeinden. Nach einem mühsamen Beginn nach Kriegsende folgte bald darauf der nächste Rückschlag mit dem Beginn der Naziherrschaft in Deutschland und dem Zweiten Weltkrieg. Friedensau sollte zwischenzeitlich verkauft, enteignet und geschlossen werden. Die deutsche Wehrmacht beschlagnahmte 1943 den Ort. Zweimal musste die Ausbildung während der Kriegsjahre unterbrochen werden. Doch es gab immer wieder einen neuen Anfang. Und es waren immer wieder Frauen und Männer da, die das lebten, was an der Südseite des ersten großen Schulgebäudes in Ziegeln gesetzt steht: „Bete und arbeite!“
Anerkennung und weitere Entwicklung
Die Missionsschule Friedensau war die erste kirchliche Bildungseinrichtung in der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone), die im Jahr 1947 den Betrieb wieder aufnehmen konnte. Dies wurde möglich durch die Anerkennung der Siebenten-Tags-Adventisten als kirchliche Körperschaft durch den ersten Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt (und einzigen, der nicht der Einheitspartei SED angehörte). Während der DDR-Zeit fungierte die Schule als Predigerseminar und konnte trotz manch widriger Umstände ein hohes Niveau der Ausbildung halten. 1990 wurde durch einen Beschluss der letzten Regierung der DDR die staatliche Anerkennung als Hochschule möglich. Dies war ein Türöffner für die weiteren Entwicklungen. Bereits 1904 beantragte die Missions- und Industrieschule Friedensau eine staatliche Anerkennung als Privatschule, jedoch vergeblich. Erst 1930 erhielten sie diese Bestätigung für die kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Lehrgänge. Die Anerkennung als Hochschule ermöglichte die Einrichtung weiterer Studienangebote. Neben dem Fachbereich Theologie wurde der Fachbereich Christliches Sozialwesen gegründet. Heute können in beiden Fachbereichen zehn Bachelor- (B.A). und Master-Studiengänge (M.A.), zum Teil berufsbegleitend, online oder in Teilzeit, belegt werden. Die Hochschule wurde mit der Zeit immer internationaler. Über 40 Nationen sind unter den Studierenden und Lehrenden vertreten. 2024 feierte die Hochschule ihr 125-jähriges Jubiläum (s. APD-Meldung vom 21. Oktober 2024). Weitere Informationen zur Hochschule unter www.thh-friedensau.de.
Der Ort Friedensau wurde 1920 eine eigenständige politische Gemeinde. Mit der Gebietsreform von 2002 verlor Friedensau seine Selbständigkeit und wurde Ortsteil der Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Friedensau hat rund 500 Einwohner.
Buch über die Geschichte Friedensaus
Im Frühjahr 2025 erschien das Buch 125 Jahre Friedensau. Eine Chronik, verfasst von Dr. Johannes Hartlapp, Kirchenhistoriker und Theologe an der Theologischen Hochschule Friedensau. Für dieses Werk wurden Bilder und Dokumente aus den verschiedensten Archiven deutschlandweit herausgesucht, zugeordnet, nachrecherchiert und analytisch aufbereitet (s. APD-Meldung vom 11. Dezember 2024). Die technischen Daten des Buches: Format: ca. 28 cm x 21 cm | Umfang: 260 Seiten mit zahlreichen Bildern | Preis: 44,90 Euro | ISBN 978-3-935480-99-4, online erhältlich im Friedensau-Shop: https://shop.friedensau.de/de
Doku-Drama „Echo des Glaubens“
Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums von Friedensau entstand der Film „Echo des Glaubens“. Er wurde im Stil eines Dokudramas gedreht und erzählt die bewegte Geschichte Friedensaus. Das Drehbuch basiert auf dem Buch Wanderer, kommst du nach Friedensau von Wolfgang Hartlapp der Geschichte und Geschichten sammelte und bereits in den 1970er und 1980er-Jahren Dokumente im Historischen Archiv der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau zusammentrug. Der Film wurde an rund 20 verschiedenen Drehorten realisiert. Er verbindet historische Informationen mit nachgestellten Szenen und zeigt eine durchgehende Handlung, die die Entwicklung des Ortes und der Hochschule veranschaulicht. Ein etwa 60-köpfiges Team aus professionellen und Laien-Schauspielern, Statisten und erfahrenen Crew-Mitgliedern arbeitete intensiv an diesem Projekt (s. APD-Meldung vom 30. August 2024). Die Regie führten Matheus Volanin, Leiter von Friedensau-Media und Matthias Reischel, Regisseur der ARD-Serien „Rote Rosen“ und „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Die Aufnahmeleitung lag bei Simon Knobloch (Skyward Production), der auch schon für Hope TV produziert hat. Das Drehbuch verantwortete Dr. Johannes Hartlapp, der außerdem die Fachberatung leistete. Weitere Informationen: www.film.friedensau.de
Adventistischer Pressedienst Deutschland APD
Sendefelderstr. 15
73760 Ostfildern
Telefon: +49 4131 9835-533
http://www.apd.info
Chefredakteur
Telefon: +49 (4131) 9835-521
E-Mail: lobitz@apd.info
![]()