Wer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss am Straßenverkehr teilnimmt, riskiert nicht nur Bußgelder und Punkte, sondern häufig auch den Entzug der Fahrerlaubnis. In vielen Fällen ist der Weg zurück zum Führerschein an eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) geknüpft – und damit oft auch an einen belastbaren Abstinenzbeleg. Wie dieser abläuft, welche Methoden anerkannt sind und worauf Betroffene achten sollten, erklärt Andrea Häußler, Verkehrsexpertin und Mitglied der Geschäftsleitung der TÜV SÜD Life Service GmbH.

Nach einer Fahrt unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht zunächst eine grundlegende Frage im Raum: Was waren die Ursachen? Handelt es sich um einen einmaligen Vorfall oder gibt es Hinweise auf ein tiefergehendes Problem? „Genau diese Differenzierung ist entscheidend für die weitere Bewertung“, erklärt Häußler. „Je nach Ausgangslage kann ein Abstinenznachweis erforderlich sein, um eine stabile Verhaltensänderung zu belegen.“

Abstinenz ist mehr als ein Test

Ein Abstinenzbeleg ist kein kurzfristiger Einzelbefund, sondern dokumentiert über einen längeren Zeitraum hinweg eine stabile Verhaltensänderung. Entscheidend ist eine lückenlose und regelkonforme Durchführung. Je nach Problemlage kann dafür ein entsprechender Abstinenzzeitraum erforderlich sein.

Etablierte Methoden

Für den Beleg von Alkohol- oder Drogenabstinenz stehen mehrere wissenschaftlich anerkannte Verfahren zur Verfügung:

  • Urinanalysen:
    Die Einbestellung zu den Kontrollen erfolgt in unregelmäßigen Abständen und sehr kurzfristig. Im Labor wird unter anderem auf Ethylglucuronid (EtG) sowie auf Drogenrückstände untersucht. Üblich sind mehrere Kontrollen über einen Zeitraum von sechs, zwölf oder fünfzehn Monaten.
  • Haaranalysen:
    Sie ermöglichen einen rückblickenden Nachweis des Konsumverhaltens über mehrere Monate. Grundlage ist die Einlagerung von Abbauprodukten in die Haarstruktur, wobei die Haarlänge Rückschlüsse auf den Zeitraum erlaubt. Voraussetzung ist unbehandeltes Haar, da Färben oder Bleichen die Aussagekraft einschränken können.
  • Blutanalysen:
    Zum Nachweis einer Alkoholabstinenz kann auch das Alkoholabbauprodukt Phosphatidylethanol (PEth) im Blut bestimmt werden. Die Kontrollen erfolgen ebenfalls kurzfristig und in unregelmäßigen Abständen, um einen Abstinenzzeitraum von sechs, zwölf oder fünfzehn Monaten zu dokumentieren.

Häufige Fehler vermeiden

In der Praxis scheitern Abstinenznachweise oft an formalen Punkten. Unregelmäßige Teilnahme, ein zu später Start oder fehlende Kenntnisse über alkoholhaltige Medikamente können problematisch sein.

Wer sich frühzeitig informiert und das Abstinenzprogramm konsequent einhält, vermeidet unnötige Verzögerungen. Wichtig ist außerdem, behandelnde Ärzte über die Teilnahme zu informieren und mögliche Einflussfaktoren im Vorfeld abzuklären.

Es geht um Sicherheit, nicht um Stigmatisierung

Abstinenzchecks sind kein Selbstzweck. Sie sollen nachvollziehbar machen, dass jemand wieder sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann. Gleichzeitig können sie für Betroffene ein wichtiger Anlass sein, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und dauerhaft zu verändern. „Die Untersuchungen sind keine Bestrafung, sondern eine Grundlage für eine faire und fundierte Beurteilung“, erklärt Häußler. „Sie geben sowohl den Behörden als auch den Betroffenen selbst Sicherheit.“

Mit Abstinenzchecks können Betroffene im Rahmen der MPU belastbare und anerkannte Nachweise vorlegen. Wichtig ist, dass die Programme den geltenden Anforderungen entsprechen und konsequent durchgeführt werden, damit die Ergebnisse anerkannt werden können.

TÜV SÜD Life Service bietet hierfür entsprechende Abstinenzprogramme an und stellt online weiterführende Informationen für Betroffene zur Verfügung: tuvsud.com/de-de/branchen/mobilitaet-und-automotive/fuehrerschein-und-pruefung/mpu-untersuchungen-bei-tuev-sued-life-service/drogenscreening-und-abstinenznachweis

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