500 Jahre Augsburger Täuferbewegung
Im Jahr 1526 kam es in Augsburg zu den ersten Taufen Erwachsener, und die Freie Reichsstadt wurde kurze Zeit ein Zentrum der Täuferbewegung, die in der Schweiz ein Jahr zuvor begonnen hatte. Bis zu tausend so genannte „Gartengeschwister“ sollen es gewesen sein: eine freie, obrigkeitskritische Gemeinde in der Nachfolge Jesu, die Kindertaufe und Waffendienst verweigerte und sich in Gärten und Privatwohnungen versammelte. Diese mündig-kritische Geisteshaltung erschien dem Augsburger Magistrat als Ketzerei und Gefahr für das Gemeinwesen. So wurden die Taufgesinnten schon bald kriminalisiert, verfolgt und schließlich gewaltsam vertrieben.
Eine lebendige Mennonitengemeinde in Augsburg
400 Jahre später gründete sich die heutige Augsburger Mennonitengemeinde in der Tradition der Täuferbewegung. Die heute mit 35 Mitgliedern kleine Gemeinde mit ihrem theologischen Mitarbeiter Wolfgang Krauß, ist äußerst aktiv, veranstaltet neben dem monatlichen Gottesdienst die „Wilde Kirche“ als Schöpfungsandacht, beteiligt sich beim Augsburger Friedensfest, ist in der Ökumene engagiert und zeigt sich als Friedenskirche in der Friedensstadt.
Mennoniten und Adventisten feiern gemeinsam
Mit einem Festgottesdienst am Donnerstag wurde das Jubiläum eröffnet. In ihrer Predigt stellte die Theologiestudentin Jule Lukasik von der Mennonitengemeinde Ingolstadt die Noah-Geschichte aus dem Buch Genesis ins Zentrum. Sie stellte die Frage: „Können wir das auch? Sicherer Ort sein, wenn da Chaos ist?“ – in Anlehnung an Noahs Auftrag von Gott, ein Schiff zu bauen, das „die große Flut überstehen soll, einen Ort, in dem Überleben möglich ist.“
Ökumenische Grußworte und Podiumsdiskussion
In den Grußworten wurde die Vernetzung der Mennonitengemeinde in der Stadtgesellschaft und religiösen Landschaft deutlich, etwa von Dr. Constanze Pfund von der Heilsarmee (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen [ACK] Bayern) sowie von Paul-Gerhard Schneider, dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Mennonitengemeinden VdM. Georgios Vlantis, griechisch-orthodoxer Theologe und Beauftragter des Bistums Augsburg für Ökumene und interreligiösen Dialog sprach für die ACK-Augsburg und den Runden Tisch der Religionen. Jost Eschenburg hob als Vertreter von Pax Christi und der Christlich-Muslimischen Friedensinitiative CMFD das pazifistische Engagement hervor. Als Vertreter der Stadt Augsburg war Sozialreferent Martin Schenkelberg gekommen.
„500 Jahre – und wie weiter?“ wurde bei einem offenen Podiumsgespräch mit Dr. Jennifer Ebert von der ACK Bayern, Michael Bitzer von der Freien Evangelischen Gemeinde FEG, Dr. Johannes Hartlapp von der Theologischen Hochschule Friedensau, Wolfgang Krauß und Mitdiskutierenden aus dem Publikum gefragt.
Abschluss mit gemeinsamem Sabbatgottesdienst
Beim Abschlussgottesdienst am Sabbat (Samstag) überbrachte Sr. Dr. Theresia Wittemann OSF als persönliche Referentin die Grüße des Augsburger Bischofs Dr. Bertram Meier und eröffnete den Lobpreisteil mit einer Psalmlesung. Mit einem interaktiven Gespräch zum Thema „Taufe, Entscheidung für heute und morgen“ und der Predigt von Dr. Johannes Hartlapp (Theologische Hochschule Friedensau der Adventisten) ging das Doppeljubiläum zu Ende. Pastor Matej Luksic (Siebenten-Tags-Adventisten) zeigte sich erfreut über das gemeinsame Projekt mit den Augsburger Mennoniten. Es gab viele Begegnungen, Gespräche und Ideen für weitere Projekte – ökumenisch und interreligiös.
Gekürzte Fassung eines Berichts von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
Über den bundesweiten Festakt und Gottesdienst zum Jubiläum „Gewagt – 500 Jahre Täuferbewegung“ in Hamburg mit Bundespräsident Steinmeier siehe APD-Meldung vom 22. September 2025.
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