Die erste Anfrage wirkt häufig überschaubar: Eine Eigentümerin oder ein Eigentümer möchte am eigenen Stellplatz eine Wallbox installieren. Technisch lässt sich dafür in vielen Gebäuden eine individuelle Lösung finden. Wird jedoch jeder weitere Ladepunkt ebenfalls als Einzelprojekt betrachtet, kann aus mehreren funktionierenden Einzellösungen langfristig ein schwer steuerbares Gesamtsystem entstehen. Separate Leitungswege, unterschiedliche Hersteller, voneinander unabhängige Steuerungen und verschiedene Abrechnungsmodelle erhöhen die Komplexität. Gleichzeitig bleibt die verfügbare Leistung des Hausanschlusses begrenzt.
Deshalb sollte eine Wohnungseigentümergemeinschaft möglichst früh klären, ob sie einzelne Wallboxen lediglich genehmigt oder eine gemeinsame technische Infrastruktur für das gesamte Gebäude aufbaut.
ZWEI KONZEPTE MIT UNTERSCHIEDLICHEN FOLGEN
Bei einer Einzellösung organisiert jeder interessierte Eigentümer seinen Ladepunkt grundsätzlich selbst. Dazu können ein eigener Leitungsweg, eine separate Messung und eine individuell ausgewählte Wallbox gehören. Dieses Modell erscheint zunächst einfach, weil nur der aktuelle Bedarf betrachtet wird und die übrige Gemeinschaft finanziell wenig belastet wird.
Eine Gemeinschaftsanlage verfolgt einen anderen Ansatz. Dabei werden zentrale Komponenten wie Stromversorgung, Leitungsinfrastruktur, Steuerung und gegebenenfalls das Abrechnungssystem für mehrere Stellplätze gemeinsam geplant. Die einzelnen Ladepunkte können anschließend entsprechend dem tatsächlichen Bedarf ergänzt werden.
Der wesentliche Unterschied liegt daher nicht in der Wallbox selbst. Er liegt in der Frage, ob jeder Ladepunkt als eigenständige Anlage oder als Teil eines gemeinsamen Systems betrieben wird.
WANN EINZELWALLBOXEN SINNVOLL SEIN KÖNNEN
Eine individuelle Lösung kann ausreichen, wenn nur sehr wenige Stellplätze elektrifiziert werden sollen und eine spätere Erweiterung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist. Auch eine klare elektrische Trennung der Stellplätze kann die Umsetzung erleichtern.
Vor einer Entscheidung sollte jedoch geprüft werden:
- Wie viele weitere Eigentümer könnten in den kommenden Jahren einen Ladepunkt verlangen?
- Sind geeignete Leitungswege für zusätzliche Anschlüsse vorhanden?
- Reicht die Anschlussleistung auch für spätere Wallboxen?
- Können unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren?
Fehlt auf diese Fragen eine belastbare Antwort, löst die erste Einzelwallbox möglicherweise nur den aktuellen Antrag – nicht aber die langfristige Aufgabe der Wohnanlage.
WARUM EINE GEMEINSCHAFTSANLAGE HÄUFIG ZUKUNFTSFÄHIGER IST
Eine gemeinsam geplante Ladeinfrastruktur schafft eine technische Grundlage, an die weitere Ladepunkte schrittweise angeschlossen werden können. Das bedeutet nicht, dass sofort jeder Stellplatz eine Wallbox erhalten muss.
Sinnvoll ist häufig ein stufenweises Konzept:
- Der aktuelle und zukünftige Ladebedarf wird ermittelt.
- Hausanschluss, Elektroverteilung und mögliche Leistungsreserven werden geprüft.
- Leitungswege und zentrale Komponenten werden für einen definierten Ausbau vorbereitet.
- Ein Last- oder Energiemanagement verteilt die verfügbare Leistung.
- Ladepunkte werden ergänzt, sobald einzelne Bewohner sie tatsächlich benötigen.
Dadurch lassen sich Vorleistungen gemeinschaftlich planen, während die nutzerbezogenen Kosten der einzelnen Ladepunkte getrennt behandelt werden können.
Auch der VDE FNN sieht für Mehrparteienhäuser Vorteile in einem gemeinsamen Modell mit zentraler Steuerung über ein Energie-Management-System. Es ermöglicht, die verfügbare Anschlussleistung innerhalb der Liegenschaft flexibel zu nutzen und weitere Ladepunkte leichter in das Gesamtsystem aufzunehmen.
DIE ANSCHLUSSLEISTUNG MUSS GEMEINSAM BETRACHTET WERDEN
Mehrere Wallboxen mit jeweils elf Kilowatt rufen ihre volle Leistung selten gleichzeitig ab. Ohne eine übergreifende Steuerung muss die Elektroanlage jedoch auf mögliche Belastungen vorbereitet sein.
Ein dynamisches Lastmanagement kann die Ladeleistung an den momentanen Verbrauch des Gebäudes anpassen. Benötigen Wohnungen, Wärmepumpen oder andere Verbraucher gerade viel Strom, steht den Fahrzeugen entsprechend weniger Leistung zur Verfügung. Sinkt der Gebäudeverbrauch, kann die Ladeleistung wieder steigen.
Bei voneinander unabhängigen Einzellösungen ist eine solche Koordination deutlich schwieriger. Unterschiedliche Systeme können parallel Leistung anfordern, ohne den Gesamtverbrauch des Gebäudes ausreichend zu berücksichtigen. Im ungünstigen Fall werden dadurch frühzeitig eine Verstärkung des Netzanschlusses oder zusätzliche Umbauten erforderlich.
NICHT NUR DIE INVESTITIONSKOSTEN VERGLEICHEN
Einzelwallboxen wirken zunächst häufig günstiger, weil nur ein Stellplatz betrachtet wird. Für einen fairen Vergleich müssen jedoch die Kosten über mehrere Ausbaustufen berücksichtigt werden.
Dazu gehören insbesondere:
- wiederholte Planung und Abstimmung,
- separate Leitungswege und Durchbrüche,
- Anpassungen an Unterverteilungen,
- zusätzliche Mess- und Steuertechnik,
- spätere Nachrüstung eines Lastmanagements,
- Integration verschiedener Fabrikate,
- Wartung mehrerer unterschiedlicher Systeme,
- Umbauten bei weiteren Ladepunkten.
Eine Gemeinschaftsanlage verursacht zu Beginn möglicherweise höhere Grundkosten. Dafür können zentrale Komponenten, Leitungswege und Steuerung so dimensioniert werden, dass spätere Ladepunkte ohne erneute Grundsatzplanung ergänzt werden können. Wirtschaftlich sinnvoll ist daher nicht automatisch das Konzept mit den niedrigsten Kosten für den ersten Ladepunkt. Entscheidend sind die Gesamtkosten der geplanten Ausbaustufe und der späteren Erweiterungen.
EIGENTÜMERSTRUKTUR, BETRIEB UND ABRECHNUNG EINBEZIEHEN
Eine technisch gute Lösung muss auch zur Struktur der Eigentümergemeinschaft passen. Nicht alle Eigentümer benötigen gleichzeitig einen Ladepunkt, nicht alle Stellplätze gehören zwingend zu Wohnungen und nicht jede Gemeinschaft möchte selbst Betreiberin eines komplexen Systems werden.
Vor dem Beschluss sollten deshalb unter anderem folgende Punkte geklärt werden:
- Welche Komponenten gehören zum Gemeinschaftseigentum?
- Welche Kosten trägt die Gemeinschaft, welche werden einzelnen Nutzern zugeordnet?
- Wer wird Betreiber der Ladeinfrastruktur?
- Wer wählt Hardware, Backend und Abrechnungssystem aus?
- Wie können weitere Eigentümer später beitreten?
- Wer ist bei Störungen oder Nutzerwechseln zuständig?
- Welche technischen Vorgaben gelten für neue Ladepunkte?
Das Wohnungseigentumsgesetz schafft einen grundsätzlichen Anspruch auf angemessene bauliche Veränderungen zum Laden elektrisch betriebener Fahrzeuge. Daraus ergibt sich jedoch noch kein vollständiges technisches, betriebliches oder wirtschaftliches Konzept für die jeweilige Wohnanlage. Die Kosten- und Nutzungsregelung hängt von der konkreten Beschlussgestaltung ab und sollte im Einzelfall rechtlich geprüft werden.
EINE BELASTBARE ENTSCHEIDUNG BEGINNT VOR DER PRODUKTAUSWAHL
Ob Gemeinschaftsanlage oder Einzelwallboxen sinnvoller sind, lässt sich nicht allein anhand der aktuellen Zahl an Elektrofahrzeugen entscheiden. Maßgeblich sind die Gebäudetechnik, die Eigentümerstruktur, der erwartete Ausbau und das gewünschte Betreibermodell.
ENERANDO unterstützt Wohnungseigentümergemeinschaften, Verwaltungen und Immobilien-verantwortliche dabei, diese Grundlagen vor der Beschlussfassung zu klären. Wir prüfen unter anderem die vorhandene Anschlussleistung, mögliche Leitungswege, den erwarteten Ladebedarf, geeignete Ausbauvarianten sowie Anforderungen an Lastmanagement, Betrieb und Abrechnung.
Wir bei ENERANDO Technologies glauben daran, dass Elektromobilität heute und in Zukunft für alle gewerblichen Standorte einfach, effizient und nachhaltig gestaltet werden muss. Deshalb bieten wir Ihnen komplette Lösungen für Ihre Ladeinfrastruktur – von der ersten Beratung und individuellen Planung über die Installation unserer in Deutschland entwickelten und gefertigten Hard- und Software bis hin zum zuverlässigen Betrieb.
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Mit unserem ganzheitlichen Ansatz schaffen wir für Sie eine Lade- und Energieversorgung, die nicht nur heute funktioniert, sondern langfristig Wachstum und Nachhaltigkeit ermöglicht. Gemeinsam mit Ihnen treiben wir die Mobilitäts- und Energiewende voran und gestalten eine vernetzte, umweltbewusste Zukunft für Ihr Unternehmen und Ihre Standorte.
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