In einer Zeit, in der viele Menschen mehr Zeit im Auto als auf ihrem Bürostuhl verbringen, haben viele Automobilhersteller die Bedeutung rückenfreundlicher Autositze erkannt und beziehen ergonomische Kriterien in ihre Produktentwicklung ein. Das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. gilt in der Branche als anerkannter Maßstab und führendes Qualitätsmerkmal für ergonomisches Sitzen. Führende Hersteller bieten Modelle serienmäßig oder optional mit AGR-Sitzen an.
Auch in Kleinwagen und Einstiegsmodellen ist die Grundkonstruktion der Sitze meist ergonomisch durchdacht, doch verstellbare Lordosenstützen und andere individuelle Anpassungsmöglichkeiten sind bislang eher die Ausnahme – meist aus Kosten- und Platzgründen.
Das AGR-Gütesiegel, mit dem nun erstmals vier Modelle führender Hersteller zertifiziert wurden, zeigt: Auch Kleinwagen können großen ergonomischen Komfort bieten. Davon profitieren alle, die aus beruflichen oder finanziellen Gründen auf ein kleines Modell setzen – etwa mobile Pflegekräfte, Lieferdienste oder Mitarbeitende im Außendienst, die täglich viele Stunden im Auto verbringen, sowie Menschen, die sich bewusst für ein kleineres Auto entscheiden.
Klein, aber mit allem, was der Rücken braucht
Die Sitze wurden bei der AGR von einem unabhängigen wissenschaftlichen Fachgremium geprüft. „Dabei hat besonders überzeugt, dass die Sitze trotz ihrer kompakten Größe alle Einstellmöglichkeiten eines regulären, größeren Sitzes bieten“, sagt Detjen. Verzichtet wurde lediglich auf eine Sitztiefenverstellung. Stattdessen kommt eine standardisierte, kürzere Sitztiefe zum Einsatz, die sich auf kurzen bis mittleren Strecken sowohl für kleine als auch für größere Menschen eignet. Eine optimale Sitzdruckverteilung entsteht dabei durch das Zusammenspiel von Sitzflächenneigung, Sitzhöhe und Lenkradverstellung. „Kompakte Maße bedeuten nicht automatisch weniger Ergonomie“, betont Detjen. „Entscheidend ist, dass sich der Sitz optimal an den Menschen anpassen lässt – und genau das leisten die zertifizierten Modelle.“
„Geprüft & empfohlen“: Diese Kriterien erfüllen AGR-Sitze
- Die feste Grundstruktur des Sitzes stützt den Körper in Kurven und bildet die Basis für alle weiteren ergonomischen Einstellungen.
- Durch eine verstellbare Höhe und Neigung der Sitzfläche lässt sich die Sitzposition an unterschiedliche Körpergrößen anpassen.
- Die ausreichend große Rückenlehne und Sitzfläche vermeiden Druckbelastungen auf die Kniekehle und erhöhen die Sicherheit bei einem Unfall.
- Die Zwei-Wege-Kopfstütze schützt die Halswirbelsäule.
- Die Vier-Wege-Lordosenstütze entlastet durch individuelle Höhen- und Tiefenverstellung die Bandscheiben im unteren Rücken.
„Der Sitz muss den Körper an den richtigen Stellen stützen und entlasten. Das funktioniert aber nur, wenn die vorhandenen Einstellmöglichkeiten genutzt werden“, sagt Detjen. So sollten beispielsweise die Oberkante der Kopfstütze und der Kopf in etwa auf gleicher Höhe sein. Zudem soll die Kopfstütze etwas Abstand zum Kopf haben und diesen keinesfalls nach vorne drücken.
Der Autositz der Zukunft: Mehr Freiheit durch autonomes Fahren
Wie wir im Auto sitzen, wird sich in Zukunft grundlegend verändern: Autonome Fahrfunktionen erlauben künftig völlig neue Sitzpositionen und mehr Bewegungsfreiheit. Wer am Steuer sitzt, wird zunehmend zum Passagier und kann die Zeit im Auto anders verbringen. Das stellt neue Anforderungen an Rückengesundheit, Unterstützung und Insassenschutz. „Als unabhängiger Verein für Rückengesundheit beobachten wir genau, wie durch autonomes Fahren neue Anforderungen im Auto entstehen, die auch Einfluss auf die ergonomischen Kriterien haben“, sagt Detjen. „Deshalb entwickeln unsere medizinischen Gremien die Zertifizierungskriterien kontinuierlich weiter. Das AGR-Gütesiegel ist und bleibt ein wichtiger Kompass für Rückengesundheit.“
Mehr Informationen unter www.agr-ev.de/autositze
Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.
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