Der Aussiedlerhof wird von Berthold und Martina Narz und Sohn Florian Narz bewirtschaftet. Unterstützung erhält die Familie von weiteren Angehörigen sowie externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Die Entwicklung des Betriebs beginnt 1990 mit einem 10 mal 20 Meter großen Mutterkuhstall und 30 Milchkühen innerorts. Seitdem entwickelt sich der Hof Schritt für Schritt weiter. Seit
Seit 2008 wirtschaftet der Betrieb rein ökologisch und ist „Bioland“, dem größten Bioland-Verband für ökologischen Landbau in Deutschland, angeschlossen.
2013 entsteht am heutigen Standort außerhalb der Stadt Herbstein der erste Stall für 100 Milchkühe. 2018 kommen zwei Fahrsilokammern hinzu, 2019 folgt ein moderner Kälberstall. Ein besonderes Merkmal des Stalles sind die manuell bedienbaren Schiebedächer, die je nach Wetterlage oder Temperatur geöffnet oder geschlossen werden können. Sobald die Jungtiere eine Woche alt sind, werden sie in Gruppen gehalten – ebenfalls im Kälberstall. „Und dann kommen sie natürlich, wie die anderen Rinder auch, auf die Weide“, ergänzt Berthold Narz. 2024 wird noch einmal angebaut, sodass 45 weitere Milchkühe Platz im Milchviehstall finden.
Beim Rundgang über den Hof wird deutlich, wie viele Faktoren auf einem Milchviehbetrieb täglich zusammenspielen, damit alles funktioniert: Tiergesundheit, Fütterung, Stallklima, Weidegang, Kälberaufzucht, Futterbevorratung, Energieverbrauch, Dokumentation und betriebswirtschaftliche Planung. Gerade in der ökologischen Milchviehhaltung sind stabile Kreisläufe, eigenes Grundfutter und eine sorgfältige Beobachtung der Tiere entscheidend. „Gute Landwirtschaft erkennt man nicht nur an Gebäuden und Technik, sondern vor allem an der Haltung dahinter“, sagt Landrat Dr. Jens Mischak. „Hier wirkt alles sehr gut strukturiert, sortiert und durchdacht. Man merkt, dass jeden Tag genau hingeschaut wird – bei den Tieren, beim Futter und bei der Weiterentwicklung des Betriebs.“
Sorge bereitet Familie Narz derzeit, wie vielen anderen Betrieben, die Trockenheit. Auf etlichen Weiden zeigt sich ein bedrückendes Bild: Flächen, die eher an Steppen erinnern als an sattes Grün. „Auch unseren Betrieb belastet die Trockenheit der vergangenen Monate sehr: Wenn das Grünland weniger Ertrag bringt, müssen die Vorräte früher genutzt oder zusätzliche Futtermittel zugekauft werden“, sagt Florian Narz. „Und wir wissen schon jetzt, dass wir Futter zukaufen werden müssen.“ Für Milchviehbetriebe sei das eine erhebliche zusätzliche Belastung, denn Futterqualität und Futtermenge wirkten sich unmittelbar auf Tiergesundheit, Milchleistung und Wirtschaftlichkeit aus.
Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten. Berthold Narz schildert, dass insbesondere der gesunkene Milchpreis bei zugleich hohen Energie-, Futter- und Betriebsmittelkosten die Planungssicherheit erheblich erschwere. „Unsere Kühe müssen jeden Tag versorgt werden – unabhängig davon, wie sich Märkte und Kosten entwickeln“, macht er deutlich.
Landrat Dr. Mischak zeigt Verständnis für die Situation: „Milchviehbetriebe leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung, zur Pflege der Kulturlandschaft und zum Erhalt des ländlichen Raums. Gerade deshalb brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen. Wer Qualität, Tierwohl und regionale Erzeugung erwarte, müsse auch anerkennen, dass diese Leistungen ihren Preis haben, betont der Landwirtschaftsdezernent.
Auch Dorothea Mauß, Theresa Appel und Rüdiger Rausch aus dem Sachgebiet Landwirtschaft und Agrarförderung nutzen den Besuch für den fachlichen Austausch. Themen sind dabei unter anderem Fördermöglichkeiten, ökologische Bewirtschaftung, Investitionen in tiergerechte Haltung sowie die Folgen klimatischer Veränderungen für Grünlandbetriebe. „Der direkte Kontakt zu den Betrieben ist durch nichts zu ersetzen“, sagt Dr. Mischak. „Nur vor Ort wird sichtbar, wo Unterstützung ankommt, wo bürokratische Hürden bestehen und welche Herausforderungen Familienbetriebe tatsächlich schultern.“
Zum Abschluss dankt Dr. Mischak der Familie Narz für die offenen Einblicke. „Wer Landwirtschaft erhalten will, muss sie auch planbar machen“, betont der Landrat abschließend. „Betriebe wie der der Familie Narz zeigen, wie viel Engagement, Fachwissen und Verantwortung in der regionalen Landwirtschaft stecken. Dieses Engagement verdient Anerkennung – und Verlässlichkeit.“
Kreisausschuss des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
36341 Vogelsbergkreis
Telefon: +49 (6641) 977-0
https://www.vogelsbergkreis.de
Redakteurin in der Pressestelle
Telefon: +49 (6641) 977-3400
Fax: +49 (6641) 977-5333
E-Mail: jennifer.sippel@vogelsbergkreis.de
![]()