Über eine Million Menschen sind seit Ende Februar aus den östlichen Gebieten der Ukraine meist gegen ihren Willen nach Russland gebracht worden. Adventistische Kirchengemeinden in Russland unterstützen die Evakuierten mit Gütern des täglichen Bedarfs. Das berichtet die adventistische Kirchenleitung für Mittel- und Südeuropa (Inter-Europäische Division) auf ihrer Webseite, die sich auf einen Bericht der adventistischen Kirchenleitung in der Region Euro-Asien bezieht.
 
Der Donbas liegt an der Ostgrenze der Ukraine zu Russland und besteht aus zwei Regionen, Luhank und Donezk, deren Bevölkerung zum Teil aus russischsprachigen Bewohnern besteht. Ende Februar 2022, kurz vor Beginn des Krieges in der Ukraine, wurde eine Massenevakuierung der russischsprachigen Bevölkerung des Donbas nach Russland angekündigt. Bei den Umsiedlern handelte es sich hauptsächlich um Frauen und Kinder, da die meisten Männer zurückblieben.
 
„Die Evakuierung kam für die Menschen überraschend und unerwartet, wie Schnee auf dem Kopf“, so Ludmila Shabelnikova auf der Website der adventistischen Kirchenleitung in der Region Euro-Asien, welche die Länder der ehemaligen Sowjetunion umfasst (die adventistische Kirche in der Ukraine wurde aufgrund des Krieges im April ausgegliedert und direkt der Weltkirchenleitung zugeordnet).
 
Gruppen von Hunderten von Menschen wurden in die Stadt Ostrogozhsk gebracht und in der Herberge einer Berufsschule untergebracht. „Es fehlte an allem“, so Schabelnikowa weiter, „es gab Betten, aber keine Laken. Große Fenster, aber keine Vorhänge, die vor den Blicken der Passanten schützen. Es gab keine Windeln oder Körperpflegeprodukte, kein Toilettenpapier und nicht einmal Trinkwasser.“
 
Die Adventisten von Ostrogozhsk und Liskinsky waren besorgt und traurig über die Situation, in der sich die evakuierten Menschen befanden. „Wir haben uns an die Herbergsverwaltung gewandt und gefragt, wie wir helfen können“, erzählt Shabelnikova. „Die Antwort lautete: ‚Wir brauchen Kleidung und Handtücher, Hefte und Stifte, Zucker und Pflanzenöl, Obst für die Kinder und Jacken für die Jungen …‘ und die Liste ging noch weiter.“
 
Hilfe von adventistischen Kirchengemeinden
Die adventistischen Kirchengemeinden wurden umgehend aktiv und sammelten Geld und die benötigten Gegenstände.
 
„Die erste Woche war die schwierigste“, so Shabelnikova. „Die Kirchenmitglieder sammelten fast ununterbrochen Kleidung, Geschirr, Spielzeug, Bettwäsche und Handtücher. Wir kauften Hygieneartikel, Obst und Wasser. Die gesammelten Gelder wurden auch für den Kauf von Stoffen verwendet, und die Frauen in den Kirchengemeinden nähten neue Laken. Im Spielzimmer der Kinder wurden Teppiche benötigt, um den nackten Boden zu isolieren. Die Menschen spendeten vier große und weitere kleinere Teppiche. Jetzt können die Kinder auf einem warmen, weichen Boden spielen. Je besser die Kommunikation wurde, desto mehr konnten die täglichen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt werden. Als die Grundbedürfnisse gedeckt waren, bat die Herbergsverwaltung um Satellitenantennen für zwei Fernsehgeräte, damit die Kinder Zeichentrickfilme und die Frauen die Nachrichten sehen konnten. Immerhin waren ihre Ehemänner und erwachsenen Kinder zurückgeblieben …“
 
Die adventistischen Kirchengemeinden in Twer und St. Petersburg trugen mit Geldspenden zur Hilfe bei, und auch die Einwohner von Ostrogozhsk und den benachbarten Dörfern spendeten Gegenstände und Produkte.
Mit der Zeit wurden die Vertriebenen ruhiger und fühlten sich nach ihren Worten „als wären wir zu unseren Verwandten gekommen. Wir wurden hier wie Familienmitglieder aufgenommen.“
 
Ein besonderer Frauentag
Da der 8. März, der Internationale Frauentag, näher rückte, wollten die ortsansässigen adventistischen Kirchenmitglieder den vertriebenen Frauen eine Freude bereiten. Es wurde ein Kurs zur Herstellung von Papierblumen geplant. „Zu den Kursen wurden Frauen aus dem Donbas eingeladen“, erklärt Shabelnikova. „Stellen Sie sich unsere Überraschung vor, als wir sahen, dass nur kleine ‚Frauen‘ im Alter von 8 bis 10 Jahren erschienen, die ‚Männer‘ im gleichen Alter mitbrachten. Ihre Mütter meinten, das beste Geschenk für den 8. März sei ein Urlaub, während die Kinder mit dem Basteln beschäftigt waren.“
 
Der Unterricht dauerte also nicht nur eine Stunde, wie geplant, sondern wurde auf drei Stunden ausgedehnt. Die Mütter und Großmütter drückten ihre Freude und Dankbarkeit für die freie Zeit und die die schönen Blumensträuße aus, die die Kinder gebastelt und als Geschenk erhalten hatten. „Kommt uns wieder besuchen“, sagten sie.
 
„Und wenn wir anfangs in den Medien als ‚einige christliche Kirchen‘ bezeichnet wurden, so antwortet der Herbergsleiter jetzt auf die Frage ‚Von wem erhalten Sie humanitäre Hilfe‘: ‚Von der christlichen Adventistenkirche‘“, sagt Shabelnikova abschließend.
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