Immer mehr Tier- und Pflanzenarten werden seltener, manche sterben aus – auch in Schleswig-Holstein werden die Roten Listen ständig länger. Der dramatische Verlust an biologischer Vielfalt ist in Politik und Gesellschaft seit über 50 Jahren bekannt, doch geschehen ist bisher kaum etwas. Gegenmaßnahmen blieben meist kleinräumig oder beschränkten sich hauptsächlich auf wenige populäre Arten wie Seeadler, Kranich oder Fischotter, haben aber den immensen Artenschwund in der Fläche nicht aufhalten können: Wo singt denn noch die Feldlerche, welcher Wegrain zeigt noch sein früheres buntes Bild an Blumen und Schmetterlingen?

Angesichts dieser erschreckenden Situation unserer Umwelt begrüßt der NABU, dass das schleswig-holsteinische Umweltministerium nun endlich eine fachlich tragfähige und konstruktive Biodiversitätsstrategie vorgelegt hat. Das im März 2021 vorgestellte Programm "Kurs Natur 2030 – Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein" zeigt zu fast allen Problembereichen Ziele und Maßnahmen auf, mit denen sich der Artenrückgang zumindest spürbar abbremsen lässt. Diese Anforderungen sind nicht nur konkret und pragmatisch gehalten, sondern oft auch mit einem zeitlichen Rahmen versehen, mit dem das Land bewusst eine überprüfbare Selbstverpflichtung eingeht und das Erfordernis eines Controllings ausdrücklich betont.

Um den weiteren Artenrückgang wirkungsvoll bekämpfen zu können, bedarf es nicht nur zusätzlicher flächenbezogener Naturschutzmaßnahmen, sondern auch eines kundigen und engagierten Fachpersonals. Auch hier hat das Biodiversitätskonzept mitgedacht, indem es nicht zuletzt den Naturschutz in der Fläche, also auf Ebene der Kreise mit ihren unteren Naturschutzbehörden und über die Integrierten Naturschutzstationen des Landes, personell stärken will.

Allerdings sieht der NABU auch Nachbesserungsbedarf. So werden im Strategieentwurf die vom Tourismus ausgehenden Belastungen, etwa die massiven Beeinträchtigungen der Strand- und Dünenlebensräume an der Ostseeküste oder auf Sylt, vollkommen ausgeblendet. Auch nimmt sich das Land mit seinen eigenen Liegenschaften wie den Landesforsten und den von der GMSH betreuten Grundstücken nicht genügend selbst in die Pflicht. Zudem werden für das größte Konfliktfeld, die intensive Landwirtschaft, nur eher kleinflächige und damit sehr begrenzt wirksame Maßnahmen vorgestellt. Hierbei zeigt sich aber, dass die entscheidenden Stellschrauben für einen ökologisch ausgerichteten Umbau der Landwirtschaft beim Bund, vor allem aber bei der EU liegen – dort tut sich allerdings wenig.

Im Großen und Ganzen ist der vorgelegte Entwurf der Biodiversitätsstrategie Schleswig-Holstein nach Auffassung des NABU jedoch ein gelungener Aufschlag. Er erwartet von Politik, Behörden und Gesellschaft, dass dieses Programm nicht zugunsten wirtschaftlicher Interessen zerredet, sondern zügig beschlossen und umgesetzt wird. Die dafür benötigten erheblichen finanziellen Mittel sind zeitnah bereitzustellen. Nicht zuletzt erinnert der NABU daran, dass Land und Bund in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe für ein derartiges Programm gestartet haben, die jedoch allesamt halbherzig und konfliktscheu ausfielen. Das jetzt erarbeitete Konzept unterscheidet sich davon wohltuend.

Die Biodiversitätsstrategie gibt uns die vermutlich letzte Chance, die Erosion der Artenvielfalt unseres Landes zu stoppen. Nicht nur Klimaschutz muss in aller Munde sein – auch die Rettung der biologischen Vielfalt hat in der politischen und gesellschaftlichen Agenda ganz oben zu stehen. Es ist höchste Zeit zum Handeln!

Weitere Informationen und die ausführliche Stellungnahme des NABU im Internet unter http://www.NABU-SH.de

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